Stoffspielereien im April 2026 - Altes in Neuem
26.4.2026
Im April lädt Karen von feuerwerk by KaZe zu Stoffspielereien mit dem Thema „Altes in Neuem“ ein.
Da gibt es so vieles, was frau machen könnte, mein Stofflager gibt dazu viel her. Schon lange bewundere ich im Internet Patchworkjacken. Vor ein paar Jahren habe ich mir das Schnittmuster Tamarack Jacket von Grainline Studio gekauft, was oft dafür benutzt wird. Aber genäht habe ich bisher keine.

Es ist halt viel Arbeit, erst den Stoff zu patchen und quilten und dann ein Kleidungsstück zu nähen. Ich bin mir nicht sicher, wie oft ich so eine Jacke dann auch tragen würde. Üblicherweise bin ich ohne Auto unterwegs, meine Kleidung sollte beim Radfahren nicht stören und regenfest sein, eine Patchworkjacke erfüllt diese Anforderungen eher nicht. Aber immer nur praktisch denken, kann ganz schön langweilig sein und so habe ich für diese Stoffspielereien mit einer Patchworkjacke angefangen. Das Ziel ist für einen Monat recht ehrgeizig, aber wie gesagt, alle Vernunftgründe habe ich jetzt mal außen vor gelassen.
Welche alten Stoffe will ich für die Jacke benutzen?
Vor ein paar Jahren habe ich ein Riesenstofflager geerbt. Die Frau hat sehr, sehr viele Stoffe gesammelt, u.a. auch jede Menge Stoffmustersets der Händler. Viele der Stoffe habe ich an andere Näherinnen weitergegeben und vieles was keiner mehr haben wollte, im Müll entsorgt. Es war ziemlich zeitaufwendig diese Mengen unter die Leute zu bringen. Bevor ich den „Rest“, es war viel zuviel für den Platz, den ich habe, in den Müll tat, habe ich nochmal durchgeschaut. Es gab Stoffmustersets von Wollstoffen, die sich sehr edel anfassten.

An manchen Stoffstücken war die Webkante mit eingewebten Namen. Sucht man im Netz danach, ist es eine der edelsten Adressen für Wollstoffe in Italien.

Sowas kann man doch nicht einfach wegschmeißen, also habe ich die Stücke aufgehoben und an eine Patchworkjacke gedacht. Jetzt habe ich sie rausgeholt, aber die Stücke reichen nicht für eine Jacke und ich habe keinen passenden Wollstoff in meinem Lager als Ergänzung, etwas kaufen will ich eh nicht. Hat jemand von Euch eine Idee, was man dann daraus macht, möchte jemand diese Stoffstücke haben? Dann schreibt mir bitte:
Dann habe ich eine Sammlung an Cordstoffen. Es sind hauptsächlich Reste von Hosen, die ich meinen Kindern genäht hatte. Diese Hosen mußten oft geflickt werden, also hatte ich alle Reste aufgehoben. Die Kinder sind längst erwachsen, inzwischen nutze ich die Reste für Taschen. Aber soviele Taschen nähe ich auch nicht und ich habe noch eine ganze Menge Cordstoffe von meiner Schwester bekommen, die ebenfalls vom Kinderhosen nähen übrig waren. Also alle rausgesucht und geschaut, ob die für die Jacke ausreichen könnten.

Alle Farben zusammen gefallen mir nicht, vor allem die beiden Rottöne möchte ich nicht in einem Kleidungsstück zusammen verarbeiten. Bei den Cordstoffen gab es immerhin noch die Option den Rest meiner 3. Gingerjeans, die ich dies Jahr erst genäht habe, zu verwenden. Eigentlich hebe ich solche Stoffreste auf, bis das Kleidungsstück aussortiert wird, wer weiß welche Reparaturen nötig werden. Und es gibt zwei gemusterte Cordstoffe, die ich außen vor gelassen habe. Der eine hat ein Kleinkindermuster, das möchte ich nicht tragen und der andere ist lila, eine Farbe, die ich nicht so mag. War aber mal die Wunschfarbe des Kindes, das Kleidungsstück daraus ist sehr viel getragen worden. Aber Patchwork lebt auch von Stoffen und Farben, die man nicht so mag, sie lassen die anderen Stoffe erst so richtig zur Wirkung kommen. Also kam der lila Stoff in meine Auswahl dazu.

Ich habe dann beschlossen die Stoffe in gleich breite Stücke zu schneiden, egal ob die Cordstreifen quer oder längs gehen. Die ersten Stoffstücke nebeneinader sahen ganz gut aus.

Während ich die Cordstoffe in Stücke schnitt, hatte ich mir überlegt, daß ich die Jacke nicht noch mit Vlies hinterlegen und quilten will, das wird zu dick und fest.
Beim Zuschneiden wurde schnell klar, auch die Menge an Cordstoffen ist nicht üppig. Es ist sicher besser, passgenau die Streifen für den Schnitt zusammenzusetzen. Die Schnittmusterteile aus Papier als Maß zu nehmen, wäre nicht so toll gewesen. Schließlich gibt es nur einen Ärmel aus Papier und der Rücken ist nur halb, wird er doch im Stoffbruch zugeschnitten. Aber alle Teile extra auf Papier malen und ausschneiden. Puh, wie aufwendig.
Dann fiel mir ein, ich brauch doch auch ein Futter, das schneide ich als erstes zu und darauf arrangiere ich dann die Stoffteile. Als Futter wollte ich unbedingt richtigen Futterstoff nehmen, keine BW-Patchworkstoff. Vor allem im Ärmel ist ein rutschiger Futterstoff viel angenehmer, vor allem beim An- und Ausziehen. Unter der Jacke werde ich sicher auch lange Ärmel tragen. Unter meinen Futterstoffen gab es einen roten, der farblich nicht ganz toll zum Oberstoff passt, aber es war eine ausreichende Menge da. Der Futterstoff hat so gefranst, daß ich ihn nach dem Ausschneiden sofort mit der Overlock versäubert habe. Die unterschiedliche Helligkeit liegt an Licht und Schatten im Raum.

Jetzt habe ich die Cordtoffe zugeschnitten und mal drauf gelegt, um zu sehen, wie weit ich denn komme. Die Nahtzugaben schlucken auch noch mal einiges an Stoff, also habe ich großzügig übereinandergelegt.

Als ich alle Flächen belegt hatte, habe ich die Stoffe noch hin und hergeschoben, bis mir das Design gefiel und fing an zu nähen. Normalerweise bügele ich bei Patchwork die Nahtzugaben jeweils zu einer Seite. Aber bei diesen teils recht dicken Cordstoffen habe ich sie auseinander gebügelt. Da ich nicht quilten wollte, habe ich links und rechts neben den Nähten alles nochmal abgesteppt, damit die Nahtzugaben platt bleiben und etwas vorm Ausfransen geschützt sind. Denn versäubert habe ich die vielen Teile nicht.

Erst nach dem Nähen und Ausbügeln konnte ich genau sehen, an welchen Stellen noch Stoff fürs Schnittmuster fehlt. Es ist schon erstaunlich, wie ausladend Ärmel sind. Für diese hatte ich den gepatchten Stoff als erstes fertig und sie zugeschnitten. Wie man erkennen kann, an manchen Stellen ist kein Zentimeter zuviel. Aber die Cordstoffe waren jetzt auch ziemlich aufgebraucht, es gab keinen Spielraum mehr für großzügige Flächen.

Die anderen Jackenteile vorm Zuschnitt.

Und jetzt alle zugeschnitten Teile:

Bei den Cordstoffen habe ich eigentlich auf die Strichrichtung geachtet, wie man an den Ärmeln sieht, nicht aufmerksam genug. Das habe ich jetzt nicht mehr geändert, der Stoff ist zugeschnitten, es gab keine Möglichkeit mehr ihn rauszutrennen und umzudrehen. Es gab einfach keinen Stoff mehr um zum Ansetzen, damit es wieder passt. Jetzt hoffe ich mal, daß es beim Ärmel auch nicht so auffällt.
Beim Nähen hatte ich schon die ganze Zeit über das weitere Vorgehen beim Zusammennähen und Versäubern der Kanten nachgedacht. Die Tamarack Jacke wird an allen Kanten und Nahtzugaben mit Schrägstreifen versäubert, was ich sehr schön finde. Aber bei dieser Jacke gepatchte Cordteile und Futter jeweils als ein Teil zu betrachten, nee, das gefiel mir nicht. Ich habe die Nähte an der Jacke und am Futter jeweils getrennt genäht und will sie vielleicht verstürzen. Bis hierhin bin jetzt mit der Jacke gekommen.
Für die weiteren Arbeiten brauche ich jetzt noch einige Zeit und vor allem Entscheidungen, was ich will. Möchte ich am Vorderteil Knöpfe als Verschluß oder einen Reißverschluß? Könnte ich die Außenkanten der Jacke vielleicht doch mit einem Schrägband versäubern, wie würde ich das an den Seitennähten machen, wo die Rundungen vom Vorderteil auf die des Rückenteils stoßen. Oder mache ich für die Außenkanten einen Beleg und schneide das Futter zurück, dann sähe man den Futterstoff nicht mehr. Taschen möchte ich auch noch haben. Ursprünglich hatte ich an aufgesetzte gedacht, aber aus den sehr kleine Restteilen die Taschen herstellen, das wird mir zu bunt auf den Vorderteilen. Im Schnitt sind Paspeltaschen vorgesehen, die passen wohl doch besser. Ich habe es völlig unterschätzt, wieviele Arbeitsschritte bei einem Kleidungsstück zum Schluß noch kommen.
Ich bin jetzt erst einmal ein paar Tage unterwegs, danach geht es weiter. Auf jeden Fall hat mir das Thema sehr gefallen, danke an Karen! Endlich habe ich eine Patchworkjacke genäht, dazu noch aus Stoffen, die mir sehr lieb sind, wegen all der Erinnerungen, die mit ihnen verbunden sind.
Ich bin gespannt, was die anderen Stoffspielerinnen gemacht haben. Je nachdem wie beschäftigt ich sein werde, werde ich sie erst im Laufe Tage lesen und kommentieren.
Die Stoffspielereien
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Stoffspielerei-Termine 2024:
- 31.05.26: „English Paper Piecing“ bei 123-nadelei
- 28.06.26: „Tierisch“ bei zwisch-en-durch
- Juli und August: Sommerpause
- 27.09.26: „Die Kunst des Weglassens“ bei Tyche's touch
- 25.10.26: „Schablonieren“ bei Siebensachen zum Selbermachen
- 29.11.26: „Teppiche“ bei made with Blümchen





liebe grüsse
mo
Selbst hatte ich mal was ähnliches probiert. Bin allerdings naiv an das Projekt heran gegangen. Der gewählte Schnitt war zu knapp für die Mehrlagigkeit so dass ich die Arme darin nicht beugen konnte. Man lernt dazu.
LG Ute
Tascheneingriffe würde ich in die Längsnähte der zusammengesetzten Stoffstücke verlegen - das spart die Mühe und die optische Unterbrechung durch Paspeltaschen.
Zu den wundervollen Stoffmustern aus Deiner Samm,ung: natürlich wirft man so etwas nicht weg! Kaffe Fasset zeigt in einem seiner Patchworkbücher einen ganz simplen " Schiffsboden - Quilt", der ist lediglich aus Rechtecken zusammengefügt und mit Knoten fixiert. Dafür wären die Wollmuster prima geeignet. Ich plane, solch' einen Quilt aus abgelegten Wollhosen zu nähen, alles gedeckte Farben und Muster, eingebunden in uni Schwarz.
Danke für Deine ausführliche Dokumentation, ich wünsche Dir gutes Gelingen für dieses Projekt, Tyche
LG
Beate
Du könntest die offenen Kanten auch mit einem dichten farbigen Overlookstich einsäumen, evtl doppelt. Aber ich weiß nicht, ob sich das evtl. zu schnell durchscheuert. Schrägband geht natürlich auch immer. Ich würde Knöpfe wählen. Du hast alle Patches noch extra abgesteppt, für die Stabilität oder die Optik? Der Aufwand ist enorm.
Vielen Dank für deinen besonderen Beitrag.
Bunt gemusterte Grüße, Karen