Monatsspaziergang im April 2026

23.4.2026

Auch im April bin ich mit dem Rad gefahren, eine Tour mit dem ADFC durch die Moore in der Nähe Gröbenzells.

Unser Wohnort Gröbenzell ist ein ehemaliges Moor, hier wurde ca ab der Mitte des 19.Jh. Torf abgebaut und die Flächen trockengelegt. Das kann man immer noch daran erkennen, daß es hier keine Kellereingänge gibt, das Grundwasser steht viel zu hoch. Alle Keller stehen in einer wasserdichten Wanne. Wasser im Keller hat man entweder von einer undichten Waschmaschine oder einem nicht zugedrehten Wasserhanhn oder weil bei starkem Regen das Wasser von außen über die Kellerfenster reinläuft. Auch unsere Erde ist schwarz und hat den richtigen ph-Wert für Rhodedendron. Gröbenzell hat neben dem Gröbenbach, jede Menge Wasserläufe, die angelegt wurden, um den Boden zu entwässern. In der Landschaft nördlich und westlich von uns wechseln sich Felder und feuchte Böden ab. Jetzt hatte der ADFC eine Radtour durch die Moore hier in der Gegend angeboten, mit einem Fachmann, der dazu auch einiges erzählt. Das war total spannend und interessant. Ich hatte meine Kamera mitgenommen, aber viele Fotos habe ich nicht gemacht. Wir waren eine Gruppe und die anderen wollte ich aus Datenschutzgründen nicht auf den Bildern haben. Zwischendurch angehalten zum Fotografieren habe ich natürlich auch nicht, ich wollte die Gruppe nicht aufhalten.

fahrradlenker

Angefangen haben wir die Tour mit einer Führung durch das kleine Heimat- und Torfmuseum hier in Gröbenzell. Da habe ich nur ein Foto, das vielleicht etwas über die Armut der Torfstecher aussagt. Ein paar Strümpfe bei dem Ferse, Sohle und Spitze offensichtlich ersetzt worden sind. Solche kaputten Socken würde ich heute nicht mehr flicken.

geflickte socken

Dann ging die Tour los nach Norden. In der Nähe eines beliebten Gasthauses ist ein kleiner Unterstand, den ich bisher nie beachtet hatte. Aber es ist kein Dach für landwirtschaftliche Geräte oder Tiere, nein es ist eine Infohütte zum Kulturerbe Torfstechen.

huette

So sieht die Landschaft rings um diese Hütte aus, alles ehemaliges Moor.

blick ins trockene moor

Wir sind weitergefahren zum Fußbergmoos. Beim Formulieren dieses Beitrags fiel mir auf, daß ich immer vom Moor spreche, aber hier alle Landschaftsnamen für das Moor hinten mit -moos enden. Ein Blick auf Wikipedia zeigt, das eine ist eher norddeutsch (meine Herkunft) und das andere süddeutsch.

An einer Stelle im Fußbergmoos gibt es Infotafeln, da haben wir kurz Pause gemacht und haben einiges zur landwirtschaftlichen Nutzung von Moorflächen erfahren. Man kann dort nebeneinander beweidete Torfflächen sehen

bewirtschaftete torfflaeche

und feuchte Flächen.

reiher im moor

Der Weg durchs Moor ist ziemlich breit und gut befestigt, da muß man nicht fürchten im Matsch stecken zu bleiben.

weg durchs moor

Zur Mittagszeit sind wir in einer Brauerei eingekehrt, oben auf dem Schornstein nistet ein Storch. Solange wir da rumstanden kurz vorm Aufbruch, hat er uns leider nur seine Rückseite zugewendet.

storchennest

Zum Schluß haben wir uns eine Ausstellung zum Moor im Grünen Zentrum in Puch angeschaut, dank des Moorexperten, konnten wir am Sonntag in das Amt hinein. Den Parkplatz vor dem Amt haben wir gut ausgefüllt.

viele fahrraeder

Das grüne Zentrum liegt oben auf einem Hügel und man hatte einen schönen Blick auf die blühenden Bäume ringsum.

fruehlingsbluete

Dieser Ausflug mit seinen Informationen zu Mooren passte zufälligerweise gerade perfekt zur aktuellen Tagepolitik, ist doch 2 Tage vorher ein 1,6 Mrd € teures Förderprogramm zur Wiedervernässung der Moor von der Bundesregierung verabschiedet worden. Allerdings sind alle gewünschten Maßnahmen freiwillig, wie das in der Praxis funktionieren soll, fragt man sich. Was ist, wenn ein Bauer sein Feld wiedervernässen will und der daneben seins nicht?

Moore sind wichtig für unsere Umwelt, unser Ökosystem und den Wasserhaushalt und Moore können viel CO2 speichern. Ihre Eigenschaft beim Vertrocknen das in ihnen gespeichertes COabzugeben wird vermutlich ebenso gefürchtet, wie man sich den Speichereffekt durch Wiedervernässung wünscht und gerne positiv in den Vordergrund stellt. Aber soviele Moore, um den CO- Ausstoß der Verbrennerautos zu kompensieren, gibt es nicht annähernd.

Diese Radtour war nicht nur schön, sie hat mir auch mehr Wissen über die Gegend, in der wir jetzt leben, vermittelt. Auch Radtouren zählen zu einem Monatsspaziergang und so wird dieser jetzt wieder bei Heike - 3hefecit verlinkt.

Kommentare
3he fecit vor 22 Tagen
Dass Radfahren und Fotografieren schwer zu vereinen ist muss ich auch immer wieder feststellen. Und alle paar Metter anhalten nervt nicht nur die Begleitung, auch mich selbst. Verständlich, dass du auch nicht allzu viele Bilder gemacht hast während eurer Radtour. Immerhin war dann auch das aussuchen der Fotos leichter ;-) Dass rund um München so viel Moor besteht, habe ich auch erst mit dem Erdinger Moos so richtig realisiert. Schön, dass ihr fachkundige Info mit eurer Radtour mitgeliefert bekommen habt. So nimmt man alles nochmal mit anderen Augen wahr. Die Sache mit den nicht vorhandenen Kellern kenne ich auch, bei meinen Eltern ist der Grundwasserspiegel im Tal so hoch, dass kaum ein Haus Keller hat. Und der Halbkeller unter dem schon lange abgerissenen Stall war immer halbvoll mit Wasser und wurde von uns nur Ratzenschwimmbad genannt.
Wird in eurer Gegend auch irgendwo noch Torf abgebaut? Wie gut dass nun durch Infotafeln das Wissen um Moore/Moose wieder ein bisschen breiter gestreut wird. Die Förderungsmaßnahme auf freiwilliger Basis klingt ein bisschen nach "ich wollt ja, hab mich aber nicht getraut" von Seiten der Politik. Ob da wirklich mehr Renaturierungsprojekte angegangen werden? Hoffen wir einfach mal.
Liebe Grüße, heike
Gabi - langer-faden vor 21 Tagen
Unsere Häuser sind schon unterkellert, aber sie stehen in einer wasserdichten Wanne und sind von außen nicht zugänglich.
Soweit ich weiß, wird in Oberbayern kein Torf mehr abgebaut. Das Förderprojekt der Regierung klingt ganz und gar nicht nach dem großen Wurf, eher ein bißchen Augenwischerei. Auf den Feldern in unserer Umgebung ist der Torf eh nur noch recht wenig, beim Pflügen kommt inzwischen schon an vielen Stellen das Gestein unterm Torf nach oben. Ich hatte mich immer über die weißen Steine in den Ackerfurchen gewundert, das ist die Erklärung.
LG Gabi
mano vor 24 Tagen
moore und deren pflanzen und die dort lebenden tiere finde ich immer sehr spannend. gut, dass jetzt doch einiges an geld bereitgestellt wird, um den mooren mehr schutz zu bieten. besonders betrifft das ja den abbau von torf, der immer noch blumenerde beigemischt wird.
schön, dass ihr bei eurer tour so viele infos bekommen habt und und neues entdecken konntet.
liebe grüße von mano
meinen monatsspaziergang findest du hier: https://manoswelt.blogspot.com/2026/04/gemutlicher-dorfspaziergang-in-mgeltnder.html
Gabi - langer-faden vor 21 Tagen
Ich finde Moore spannend, weiß aber sehr wenig darüber. Gerade deshalb war diese Radtour so interessant.
LG Gabi
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